Paare kommen im Schnitt spät — oft Jahre nachdem das Muster begonnen hat. Manche kommen zu spät, andere zu früh, und einige mit einer Frage, für die Paartherapie das falsche Werkzeug ist. Hier die Kriterien, bevor Sie einen Termin buchen.

Wann Paartherapie sinnvoll ist
Sie streiten immer wieder gleich
Die Themen wechseln — Geld, Haushalt, Schwiegermutter, Sex —, der Ablauf bleibt derselbe. Einer setzt nach und fordert, einer zieht sich zurück und schweigt. Je mehr der eine nachsetzt, desto weiter zieht sich der andere zurück; je weiter sich der eine zurückzieht, desto mehr setzt der andere nach.
Dieses Muster ist der eigentliche Gegenstand der Paartherapie. Es lässt sich nicht auflösen, indem man die einzelnen Streitthemen abarbeitet, weil das Thema austauschbar ist und das Muster nicht.
Sie sind sich fremd geworden
Kein Streit, aber auch keine Nähe. Man organisiert einander, funktioniert nebeneinander und merkt irgendwann, dass man seit Monaten kein Gespräch geführt hat, das über Organisation hinausging. Das ist unauffälliger als lauter Streit und oft der schwierigere Ausgangspunkt.
Ein Vertrauensbruch steht im Raum
Eine Affäre, eine Lüge, ein Versprechen, das nicht gehalten wurde. Hier geht es um zwei Dinge gleichzeitig: um die Frage, was passiert ist, und um die Frage, ob und wie Vertrauen wieder entstehen kann. Beides braucht Zeit, und beides in der falschen Reihenfolge anzugehen führt in eine Sackgasse.
Ein Übergang belastet
Geburt eines Kindes, Krankheit, Kündigung, Umzug, Pensionierung, Auszug der Kinder. Übergänge verschieben Rollen, und Paare, die sich unter anderen Bedingungen eingespielt haben, stehen plötzlich ohne funktionierendes Muster da.
Die Sexualität ist zum Konfliktfeld geworden
Unterschiedliche Bedürfnisse, ausbleibende Lust, ein Thema, das nicht mehr besprechbar ist ohne dass jemand sich verletzt fühlt. Hier zeigt sich häufig, dass die Sexualität nicht die Ursache, sondern der Ort ist, an dem sich das Beziehungsmuster am deutlichsten zeigt. Sexualtherapie und Paartherapie greifen dabei ineinander.
Gemeinsam ist diesen Fällen: Beide wollen etwas verändern, auch wenn sie sich uneinig sind, was.
Wann sie es nicht ist
Das steht selten auf Praxisseiten, ist aber die ehrlichere Auskunft.
Wenn einer die Entscheidung längst getroffen hat
Wer sich innerlich verabschiedet hat und die Therapie als Beleg für einen Versuch braucht, verlängert eine Trennung, statt sie zu klären. Das ist für beide zermürbend. Dafür gibt es Trennungsbegleitung — ein anderes Format mit einem anderen Ziel: nicht die Beziehung retten, sondern die Trennung so gestalten, dass beide und allfällige Kinder möglichst gut hindurchkommen.
Bei Gewalt
Wo körperliche Gewalt, Drohungen oder systematische Kontrolle im Spiel sind, gehören zuerst Sicherheit und Schutz geklärt, nicht die Kommunikation. Gemeinsame Gespräche können hier schaden: Was die betroffene Person in der Sitzung sagt, kann danach gegen sie verwendet werden.
Die Opferhilfe Schweiz berät kostenlos und vertraulich; über die Website finden Sie die Beratungsstelle Ihres Kantons. In akuter Gefahr wählen Sie 117.
Wenn eine unbehandelte Erkrankung im Vordergrund steht
Bei einer schweren Depression, einer Suchterkrankung oder einer akuten psychischen Krise braucht diese Person zuerst eine eigene Behandlung. Paartherapie kommt danach oder begleitend — aber sie kann eine Einzelbehandlung nicht ersetzen.
Wenn nur einer will
Sie können gerne allein beginnen, und das ist oft nützlich: Auch die Veränderung eines Beteiligten verändert das Muster. Aber es ist dann eine Einzeltherapie zum Thema Beziehung, keine Paartherapie — und es ist redlich, das so zu benennen.
«Zu spät» gibt es seltener, als Paare denken
Viele kommen mit dem Satz, es sei wohl schon zu spät. In der Regel stimmt das nicht, solange beide noch etwas wollen. Was tatsächlich schwieriger wird: Je länger ein Muster läuft, desto mehr Erfahrungen haben beide gesammelt, die es bestätigen. Das macht mehr Arbeit — nicht Unmöglichkeit.
Umgekehrt gibt es auch «zu früh» selten. Wer nach einem halben Jahr Unzufriedenheit kommt, statt nach fünf Jahren, hat es leichter.

Wie ich arbeite
Emotionsfokussiert. Die emotionsfokussierte Paartherapie wurde von Sue Johnson und Les Greenberg entwickelt und versteht Paarbeziehungen als Bindungsbeziehungen: Beide suchen in der Beziehung eine verlässliche emotionale Verbindung, und Konflikte sind meist Unterbrechungen dieser Verbindung.
Praktisch heisst das: Statt Streitthemen einzeln abzuarbeiten, schauen wir auf das Muster darunter. Wer zieht sich wann zurück, wer setzt nach, und was braucht jeder in diesen Momenten, ohne es zu sagen. Wenn dieses Muster sichtbar wird und beide es als gemeinsamen Gegner erkennen statt einander, verlieren die einzelnen Streitthemen an Gewicht.
Ich bin zertifizierter Trainer und Supervisor für emotionsfokussierte Paartherapie und bilde in diesem Ansatz aus — rechnen Sie das ein, wenn ich über seine Wirksamkeit schreibe. Vertiefte Informationen zur Methode finden Sie auf eft-paartherapie.ch, einer Website, die ich selbst betreibe. Unabhängig davon ist das internationale Trägerinstitut ICEEFT.
Was Sie erwartet
- Beide sind da. In der Regel kommen Sie zu zweit. Einzelgespräche sind möglich, wenn es einen Grund dafür gibt.
- Ich ergreife keine Partei. Auch nicht heimlich. Wer im Recht ist, ist die unergiebigste Frage in einer Paartherapie.
- Es wird konkret. Wir arbeiten an Situationen, die tatsächlich stattgefunden haben, nicht an allgemeinen Eigenschaften wie «er ist halt so».
- Es wird emotional. Das ist nicht Nebenwirkung, sondern Wirkmechanismus. Wo nur diskutiert wird, verändert sich wenig.
- Es dauert. Rechnen Sie nicht mit drei Sitzungen. Nach vier bis fünf lässt sich einschätzen, wohin es geht.
- Keine Hausaufgaben, die niemand macht. Was zwischen den Sitzungen geschieht, besprechen wir gemeinsam, statt es zu verordnen.
Häufige Fragen vorab
- Zahlt die Krankenkasse? Nein. Paartherapie ist keine Pflichtleistung der Grundversicherung — Beziehungsprobleme sind keine Krankheit im Sinne des Krankenversicherungsgesetzes. Einzelne Zusatzversicherungen beteiligen sich; fragen Sie bei Ihrer Kasse nach.
- Was, wenn wir uns trennen? Auch das kann ein Ergebnis sein. Eine Paartherapie, die zu einer geklärten Trennung führt, ist keine gescheiterte Therapie.
- Muss ich alles erzählen? Nein. Sie bestimmen, was Sie in Anwesenheit Ihres Gegenübers sagen.
- Geht das auch online? Ja, nach Absprache. Kosten und Bedingungen entsprechen denen einer Sitzung vor Ort.
Wie ein emotionsfokussierter Verlauf aussieht
Die emotionsfokussierte Paartherapie arbeitet in drei Abschnitten. Sie folgen nicht starr aufeinander, geben aber die Richtung vor.
- Deeskalation. Zuerst wird das Muster sichtbar gemacht: Wer reagiert wie, wann kippt ein Gespräch, was löst was aus. Solange beide den anderen für das Problem halten, ist keine Veränderung möglich. Wenn beide das Muster als gemeinsamen Gegner erkennen, sinkt die Häufigkeit der Eskalationen — oft schon nach wenigen Sitzungen.
- Umstrukturierung. Der eigentliche Kern. Hier geht es um das, was unter Vorwurf und Rückzug liegt: Angst, nicht zu genügen, Angst, verlassen zu werden, Verletzung. Wer das ausspricht und damit angenommen wird, verändert die Beziehung stärker als jede Kommunikationsregel.
- Konsolidierung. Das Erreichte wird auf den Alltag übertragen und an alten Streitthemen erprobt. Und es wird geklärt, was Sie tun, wenn das Muster zurückkommt — denn das tut es.
Wie Sie Ihren Partner dazu bringen mitzukommen
Eine der häufigsten Fragen — meist von der Person gestellt, die schon länger etwas verändern will.
- Nicht als Ultimatum. «Entweder wir gehen in Therapie oder ich gehe» erzeugt Anwesenheit, keine Beteiligung.
- Nicht als Diagnose. «Du brauchst Hilfe» führt zuverlässig zur Weigerung. Sagen Sie stattdessen, was Sie selbst wollen: «Ich möchte, dass es zwischen uns wieder anders wird, und ich schaffe es nicht allein.»
- Den Rahmen klein halten. Ein Erstgespräch ist keine Verpflichtung zu zwanzig Sitzungen. Viele lassen sich auf «einmal hingehen und dann entscheiden» ein.
- Die Sorge ernst nehmen. Häufig steckt die Befürchtung dahinter, vor einer fremden Person als der Schuldige dazustehen. Es hilft zu wissen, dass genau das nicht passiert.
- Und wenn er oder sie nicht mitkommt: Kommen Sie allein. Auch die Veränderung eines Beteiligten verändert das Muster.
Wenn Kinder da sind
Kinder bekommen mehr mit, als Eltern annehmen — auch dann, wenn nicht vor ihnen gestritten wird. Was sie belastet, ist weniger der offene Konflikt als eine dauerhafte Anspannung, die niemand benennt.
In der Paartherapie sind Kinder in der Regel nicht dabei. Ihre Situation kommt trotzdem vor: als Frage, was sie mitbekommen, und als Frage, wie Sie beide mit ihnen darüber sprechen — gerade wenn eine Trennung im Raum steht.
Was Sie zwischen den Sitzungen tun können
- Beobachten statt korrigieren. In der ersten Phase ist die nützlichste Aufgabe, das Muster zu bemerken — nicht, es sofort zu durchbrechen.
- Nicht alles im Streit klären wollen. Ein Gespräch, das eskaliert, wird durch Weiterreden selten besser. Eine Pause mit klarer Verabredung, wann Sie weitermachen, ist wirksamer als Durchhalten.
- Zeit ohne Organisation. Viele Paare sprechen nur noch über Logistik. Eine halbe Stunde in der Woche ohne Kalenderthemen verändert mehr, als es klingt.
- Keine Protokolle führen. Wer Belege sammelt, um in der nächsten Sitzung recht zu bekommen, arbeitet gegen die Therapie.
Wie lange dauert es?
Nach vier bis fünf Sitzungen lässt sich einschätzen, wohin es geht. Bei umschriebenen Anliegen ist danach oft nicht mehr viel nötig. Wo ein Vertrauensbruch aufzuarbeiten ist oder ein Muster seit vielen Jahren läuft, dauert es länger — und es verläuft nicht linear. Rückschläge gehören dazu und sind kein Zeichen, dass es nicht wirkt.
Kosten und Ort
Eine Sitzung Paartherapie von 60 Minuten kostet CHF 240. Die Termine finden am Grossmünsterplatz 6 oder am Zähringerplatz 11 in Zürich statt, auf Wunsch auch online. Bis 48 Stunden vor dem Termin ist die Absage kostenfrei, danach werden 60 Minuten in Rechnung gestellt. Alle Tarife und Bedingungen.
Dieser Text ist eine allgemeine Information und ersetzt weder eine Abklärung noch eine Behandlung im Einzelfall. In einer akuten Krise warten Sie nicht auf einen Termin: Die Dargebotene Hand ist rund um die Uhr unter 143 erreichbar, der Notruf unter 144, die Polizei unter 117.
Quellen und Hilfsangebote
- ICEEFT — International Centre for Excellence in Emotionally Focused Therapy, Trägerinstitut der emotionsfokussierten Paartherapie nach Sue Johnson
- EFT Paartherapie Schweiz — Methode, Forschungslage und Angebote in der Schweiz
- Opferhilfe Schweiz — kostenlose, vertrauliche Beratung bei häuslicher Gewalt; in akuter Gefahr Polizei 117
- Bundesamt für Gesundheit: Neuregelung der psychologischen Psychotherapie — zur Abgrenzung, welche Leistungen die Grundversicherung trägt
- PsyFinder der FSP · Die Dargebotene Hand, Tel. 143
Alle Quellen zuletzt aufgerufen am 31. August 2026.